Geschichte

Hoch über der Stadt erhebt sich die Ruine der mittelalterlichen Burg Normannstein mit ihren drei großen Türmen. Sie wurde im 11. Jahrhundert als Warte zum Schutz der drei Furten erbaut, die durch die Werra führten und der Siedlung ihren Namen gaben. Treffurt, an der Normannsteinquelle gelegen, ist 1104 erstmals erwähnt worden. Nach 1336 ließen die Burgherren eine Mauer mit Türmen und Toren um die Ackerbürgersiedlung bauen und schlossen die Burg in die Befestigungsanlage ein. Das Hauptgebäude der im Laufe von Jahrhunderten verfallenen Burg wurde 1896 zu einer Ausflugsstätte umgebaut. Nach Fehden Anfang des 14. Jahrhunderts kam es zur Aufteilung der Ganerbschaft Treffurt, zu der neben der Stadt auch die Vogtei Dorla gehörte, in drei Bereiche, die jeweils von Kursachsen, Kurhessen und dem Kurfürstentum Mainz verwaltet wurden. Die drei Fürstenämter hatten anfänglich ihren Sitz in den drei Türmen des Normannsteins und seit dem 16. Jahrhundert in neu errichteten Amtshöfen am Fuße des Burgberges.

Hermann von Treffurt
In der ersten Hälfte des XIV. Jahrhunderts lebte zu Treffurt ein Ritter, Hermann von Treffen genannt, der gern auf die Buhlschaft gegangen und viel ehrbare Frauen und Jungfrauen um ihre Ehre gebracht, also daß kein Mann in seinem Gebiet seine Tochter über zwölf Jahre daheim behalten durfte. Daneben aber ist er andächtig gewesen, fleißig in die Messe gegangen, hat auch die Gezeiten St. Marien mit großer Andacht gesprochen. Dieser hat einsmals zu seiner Buhlschaft reiten wollen und zuvor, seinem Gebrauch nach, die Gezeiten St. Marien mit großer Andacht gesprochen; wie er nun in der Nacht im Finstern allein über den Hellerstein geritten, hat er des rechten Weges gefehlt und ist auf den hohen Felsen des Berges gekommen, wo das Pferd zwar stutzte, der Ritter aber meinte, es scheue vor irgendeinem Tier; gab ihm deswegen im Zorn den Sporn, also daß das Roß mit ihm den hohen Felsen hinabgesprungen und sich zu Tod gefallen; auch ist der Sattel mitsamt dem Schwert in der Scheide an vielen Stücken zerbrochen. Der Ritter aber hat in dem Fall noch die Muttergottes angerufen, und da hat ihn gedeucht, als werde er von einer Frau empfangen, die ihn sanft und unverletzt auf die Erde gesetzt. Nach dieser wunderbaren Errettung ist er nach Eisenach in ein Kloster gegangen, hat sein Leben gebessert, all sein Gut um Gottes willen von sich gegeben und als ein Mönch barfuß und in Wolle sein Brot gebettelt. Auch als 1347 sein Tod herannahete, hat er nicht bei andern frommen Christen sein Ruhebettlein haben wollen, sondern an einem heimlichen, unsaubern Orte, zwischen der Liebfrauenkirche und der Stadtmauer, begraben sein wollen, seine unreinen Taten desto härter zu büßen, wie auch geschehen ist.

Aus dem Jahre 1550 stammt auch das Renaissancerathaus mit viergeschossigem Turm und doppelter Freitreppe. Die älteste Kirche in Treffurt ist die Pfarrkirche St. Bonifatius aus dem 13. Jahrhundert. Auf dem Grundstück des ehemaligen sächsischen Amtshofes wurde 1863 - 67 die katholische Kirche erbaut. Die Hoheitsrechte der Wettiner und des hessischen Landgrafen gingen im 18. Jahrhundert an Mainz und 1802 an Preußen über, 1815 fiel die gesamte Gauerbschaft an Preußen. Im denkmalgeschützten Stadtkern begegnet man weiterhin auf Schritt und Tritt den meisterlich restaurierten Zeugnissen einer bewegten Vergangenheit wie dem Falkenstein, einem ehemaligen Gefängnis, der alten Pfarrei, dem Ohrfeigenhaus und noch vielen schönen Fachwerkhäusern. Sehenswürdigkeiten der näheren Umgebung sind der Heldrastein, 503 m hoch, einer der schönsten Aussichtspunkte Thüringens bei Schnellmannshausen, das ehemalige Kloster Probsteizella in Frankenroda und die restaurierte Dorfkirche aus dem 15. Jahrhundert in Falken.